Bildung als Ware

Auch in Kanada wird über die Zielsetzung von universitärer Bildung diskutiert. Soll die universitäre Ausbildung nur dazu dienen die Wettbewerbsfähigkeit eines Landes zu erhöhen? Oder ist Bildung ein Wert an sich, der sich nicht dem Wettbewerbsgedanken unterordnen muss? Im Toronto Star ist vergangene Woche eine interessanter Artikel zu dem Thema Bildungsökonomisierung erschienen. Absolut lesenswert!

Vom Bus zum Protest

Innerhalb der USA mit dem Bus zu reisen ist eine billige, aber auch sehr angenehme Art zu reisen. Ich befinde mich gerade in einem Greyhound Bus in Richtung Boston. Der Bus verfügt über ein Wireless-LAN und Steckdosen bei jedem Sitz. Dank Internet und DVDs vergeht die Fahrzeit wie im Flug. 

Es ist aus der Ferne erstaunlich, welches Ausmaß die Uniproteste in Österreich erreicht haben. Auch einige Dekane und Rektoren zeigen Verständnis für die Proteste. Doch während laut Wikipedia Herwig van Staa (ÖVP) den Protesten aufgeschlossen gegenübersteht, verkennt die ÖVP-Aktionsgemeinschaft (und Cartellverbandsorganisation) die Chancen dieser Proteste. Aber ganz ehrlich: Wer hat etwas anderes erwartet.

Katastrophe bei Unifinanzen

Der Rektor der JKU fand gegenüber dem STANDARD vergangenen Dienstag klare Worte zu den Unifinanzen: Das in Aussicht gestellte Budget für Unis und Forschung – um zwei Milliarden Euro geringer als Erwartet – sei laut Richard Hagelauer „eine Katastrophe“. Er fordert 250 Millionen Euro pro Jahr mehr für die Universitäten. Die von Wissenschaftsminister Hahn in Aussicht gestellten 100 bis 300 Millionen Euro in drei Jahren sind für Hagelauer „nur ein Pflaster auf der Wunde, aber nicht mehr“. Dank des Briefs der Uniko an alle Universitätsangehörigen und der medialen Berichterstattung steigt der Druck auf Wissenschaftsminister Hahn (ÖVP).

Unis ohne Kohle

Die Universitäten sind unterfinanziert. Bei einem Forschungsgipfel brachte Hannes Androsch die Situation der Universitäten auf den Punkt: „Die Universitäten hängen budgetär in der Luft. Man soll sich nicht auf den 150 Millionen ausreden, die wegen der Studiengebühren (Anmk.: deren Abschaffung) ausbleiben. Die Wahrheit ist, dass die Universitäten seit zehn Jahren ausgehungert werden.“ Diese Aushungerung bekommen wir Studierende zu spüren. Das Wissenschaftsministerium beziffert das Verhältnis zwischen ProfessorInnen und Studierenden auf 323 zu 1. So kann die grundsätzliche Ausrichtung der Universitäten, nämlich die forschungsgeleitete Lehre nicht umgesetzt werden. Die Liste VSSTÖ, IKS und Unabhängige fordert die SPÖ/ÖVP-Regierung auf, mehr Mittel für die Universitäten freizugeben.

Regierungspläne für die Universitäten

Mit dem Satz „Wissenschaft und Forschung sind Schlüsselaufgabe für Gesellschaft und Staat“ wird der Bereich Wissenschaft im Regierungsprogramm eingeleitet. Die neue SPÖ/ÖVP Regierung hat sich zum Ziel gesetzt, Ausgaben in der Höhe von 2 % des BIP für den tertiären Bildungssektor anzustreben. Das Erreichen dieses Ziels wurde vor der Wahl mit dem Jahr 2020 festgesetzt. Von dieser zeitlichen Festlegung ist im Regierungsprogramm nichts zu finden. Die Universitäten, insbesondere die Johannes Kepler Universität, benötigen zusätzliche Mittel.

Der Plan der letzten Regierung, die Reform des Universitätsgesetz 2002, soll 2009 umgesetzt werden. Hahn ist auch für einige Monate Justizminister. Insofern vermute ich, dass sich die Reform etwas nach hinten verschiebt. Die Eckpunkte dieser Novelle sind allgemein und unverbindlich gehalten. Über die im Entwurf des Wissenschaftsministeriums (für die geplatzte Novellierung im Herbst) geplante Abschaffung der Anrechnung von Diplomarbeiten ist nichts zu finden. Gerade für Studierende der JKU ist diese Anrechnung besonders wichtig. Viele lassen sich z.B.: die WIWI-Diplomarbeit auch für Sozialwirtschaft anrechnen. Die qualitativen Zugangsbeschränkungen für den Master lassen Schlimmes befürchten. Positiver Punkt: „Berufsbegleitendes Studieren an Universitäten soll durch explizite Studienangebote oder Studienmodule für Erwerbstätige ermöglicht werden.“ Hinter diesem Satz steht der Ausbau von eLearning Angebote. In diesem Zusammenhang möchte ich auf die aktuelle Kampagne der Initiative Kritischer Studierende: “Lehrveranstaltungen zu deiner Primetime” verweisen.

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